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Der verhexte Ring | MĂ€rchen aus Venedig

MĂ€rchen aus Venedig: Der verhexte Ring

 

Es war einmal 


Mitten auf einer schönen Wiese lag einmal ein grosser Kuhfladen. Da kamen drei Feen vorbei und die eine sagte zu den anderen: «Ich wĂŒnsche, dass dieser Kuhfladen zu einem schönen jungen MĂ€dchen wird.» Die zweite sprach: „Das MĂ€dchen soll einen wertvollen Ring tragen.»

Die dritte aber rief: «Und ich werde diesen Ring verzaubern, so dass jeder, der ihn trÀgt nur ein einziges Wort sprechen kann: Merda! (Scheisse)».

Und tatsĂ€chlich: Der Kuhfladen verwandelte sich in ein hĂŒbsches MĂ€dchen. Es stand da in herrlichen Kleidern und einem Diadem auf der Stirn, und sah aus wie eine Prinzessin. Zufrieden gingen die Feen davon und liessen das MĂ€dchen allein auf der Wiese.

Bald darauf kam der König vorbei. Er sah die schöne junge Frau auf der Wiese und lobte ihre Schönheit und ihre Sanftmut, doch das MĂ€dchen antwortete auf alle Fragen nur mit einem Wort: „Merda!“ Der König wunderte sich, doch die junge Frau gefiel ihm so gut, dass er sie mitnahm in seine Kutsche und in sein Schloss brachte. Er stellte sie seiner Mutter vor und auch dieser gefiel das MĂ€dchen, doch auf ihre Fragen, antwortete es immer nur mit einem Wort: „Merda!“ Das gefiel der Königinmutter gar nicht. «Dem MĂ€dchen fehlt es an richtiger Erziehung», meinte sie. Doch der König, fand, die hĂŒbsche junge Frau könnte ja das anstĂ€ndige Reden noch lernen. Kurzum: Der König wollte das MĂ€dchen heiraten und bald darauf gab es ein prĂ€chtiges Fest und die Schöne von der Wiese wurde Königin.

Am Sonntag nach der Hochzeit wollte der ganze Königshof in die Kirche zur Messe gehen. Alle Menschen in der Kirche staunten ĂŒber die Schönheit der jungen Königin und die MĂ€nner machten ihr Komplimente. Doch das einzige, was sie antworten konnte war: «Merda!»

Bevor der Gottesdienst begann, kam der Kirchenhelfer mit dem Klingelbeutel und ging von einem Gast zum anderen. Diese sollten dort ihre Spende fĂŒr die Kirche hineinwerfen. Die junge Königin hatte jedoch kein Geld bei sich und so nahm sie den wertvollen Ring vom Finger und warf ihn in den Beutel. Der Pfarrer aber hatte genau gesehen, wie die Königin ihren Ring in den Klingelbeutel warf. Schnell gab er dem Kirchendiener einen Wink und dieser ĂŒbergab ihm den Beutel. Der Pfarrer suchte, fand den Ring und dachte:«Der ist gerade gut genug fĂŒr mich», und steckte ihn an den Finger. Er seufzte glĂŒcklich, stieg auf die Kanzel, wandte sich den Kirchenbesuchern zu und wollte seine Predigt sprechen. «Meine geliebten Mitmenschen», wollte er sagen, doch stattdessen konnte er immer nur ein Wort sagen: «Merda! Merda! Merda!» Das war nun wirklich unerhört. Die KirchengĂ€nger standen bald auf und verliessen unter Protest die Kirche und auch der König und die Königin stiegen in ihre Kutsche und fuhren nach Hause in ihr Schloss. Doch oh Wunder: Von diesem Tag an konnte die junge Frau ganz lieblich sprechen und kein einziges Mal hörte man mehr das Wort «Merda!» 

 

MÀrchen aus Venedig 

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