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C.F. Meyer – J├╝ngst im Traume sah ich auf den Fluten

C.F. Meyer - J├╝ngst im Traume

Lethe

J├╝ngst im Traume sah ich auf den Fluten
Einen Nachen ohne Ruder ziehn,
Strom und Himmel stand in matten Gluten
Wie bei Tages Nahen oder Fliehn.
Sassen Knaben drin mit Lotoskr├Ąnzen,
M├Ądchen beugten ├╝ber Bord sich schlank,
Kreisend durch die Reihe sah ich gl├Ąnzen
Eine Schale, draus ein jedes trank.
Jetzt erscholl ein Lied voll s├╝sser Wehmut,
Das die Schar der Kranzgenossen sang –
Ich erkannte deines Nackens Demut,
Deine Stimme, die den Chor durchdrang.
In die Welle taucht ich. Bis zum Marke
Schaudert ich, wie seltsam k├╝hl sie war.
Ich erreicht‘ die leise ziehnde Barke,
Dr├Ąngte mich in die geweihte Schar.
Und die Reihe war an dir zu trinken,
Und die volle Schale hobest du,
Sprachst zu mir mit trautem Augenwinken:
„Herz, ich trinke dir Vergessen zu!“
Dir entriss in trotzgem Liebesdrange
Ich die Schale, warf sie in die Flut,
Sie versank, und siehe, deine Wange
F├Ąrbte sich mit einem Schein von Blut.
Flehend k├╝sst ich dich in wildem Harme,
Die den bleichen Mund mir willig bot,
Da zerrannst du l├Ąchelnd mir im Arme
Und ich wusst es wieder – du bist tot.
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