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Beiträge veröffentlicht in “fabel”

Der Adler und der Fuchs – eine Fabel von Äsop

Fabel: Der Adler und der Fuchs

 

Geschichte mit Tieren 

Im Gipfel einer Eiche hatte ein stolzer Adler sein Nest. Am Fuß derselben Eiche wohnte ein Fuchs in seinem Bau. Adler und Fuchs vertrugen sich gut und pflegten eine vorbildliche Nachbarschaft. 

Eines Tages kehrte der Adler von einer erfolglosen Jagd zurück. Er war hungrig und die Jungen in seinem Nest bettelten eindringlich um Futter. Zur selben Zeit verließ der Fuchs seinen Bau. Auch er hatte Junge zu versorgen und begab sich auf die Jagd und die Suche nach Nahrung. Ungeachtet der alten Freundschaft nutzte der Adler die Abwesenheit des Fuchses. Er stürzte sich auf dessen Junge, tötete sie und brachte sie seinen eigenen Jungen zum Fraß. 

Als der Fuchs von der Jagd zurückkehrte erkannte er bald, was vorgefallen war. Vor Wut und Entsetzen beschimpfte er den Adler und nannte ihn einen niederträchtigen Mörder, der die bisherige gute Nachbarschaft grob missbraucht hätte. Der Adler jedoch schaute arrogant auf den Fuchs herab und rief ihm zu: „Was willst du armer Tropf gegen mich. Ich bin stärker als du und kann sogar durch die Lüfte fliegen.“ Er spreizte seine Flügel und startete zu einem neuen Beuteflug. 

Nicht weit entfernt feierte eine Gruppe von Menschen ein Grillfest. Im Sturzflug stieg der Adler herab und schnappte sich mit seinen Krallen und seinem Schnabel einige von den gebratenen Fleischstückchen. Dann erhob er sich wieder in die Luft und brachte das Fleisch zu seinen Jungen. Dabei hatte er übersehen, dass an einem der Fleischbrocken noch etwas Glut hing. Die entzündete sich und verbrannte das Nest. Die Jungen, die noch nicht fliegen konnten, erlitten schwere Verbrennungen und fielen zu Boden. Dort konnte der Fuchs sich darüber her machen und sie auffressen.  

Äsop

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Der Frosch und der Tausendfüßler – eine Geschichte – Fabel über Fähigkeiten

Der Frosch und der Tausendfüßler - eine Fabel über Fähigkeiten
 

Einst wanderte ein Frosch durch den Wald, da begegnete ihm ein Tausendfüßler. Fasziniert schaute der Frosch ihn an und bestaunte den exakt aufeinander abgestimmten Bewegungsablauf der unzählig vielen Beinchen.

Bewundernd sprach er den Tausendfüßler an: ,,He, Du da! Hör mal, wie machst Du das nur?“
,,Wie mache ich was?“, fragte der Tausendfüßler zurück.
,,Na, all die Beine im richtigen Augenblick in der richtigen Höhe und mit der passenden Schrittlänge zu bewegen ohne dass sie sich berühren und ohne dass Du stolperst?“

Der Tausendfüßler hielt inne und schaute lange zurück auf seine Beine, mal nach links, mal nach rechts. Man sah ihm an, dass er angestrengt nachdachte. Bevor er dem Frosch antworten konnte, wollte er sich noch einmal in Bewegung setzen.
Aber ohje, es funktionierte nicht mehr. Seine Beinchen gerieten völlig durcheinander, traten sich gegenseitig auf die Füße und der Tausendfüßler blieb auf dem Boden liegen. Traurig sagte er: ,,Ich kann es nicht mehr!“

Erst nach einem langen Schlaf, der seinen Kopf wieder frei machte, lief er elegant weiter und verließ sich fortan auf sein Gefühl.

Eine Fabel

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Zwei Ziegen – eine Geschichte – Fabel – über List und Streit

Zwei Ziegen - eine Kurzgeschichte zum Nachdenken
 

Zwei Ziegen trafen sich auf einer schmalen Brücke, die über einen tiefen Fluss führte. Die eine wollte auf diese Seite, die andere wollte auf die andere Seite des Flusses. 

„Geh mir aus dem Weg!“ meckerte die eine. 

„Du bist gut!“ meckerte die andere. „Geh du doch zurück und lass mich zuerst hinüber. Ich war auch als erste auf der Brücke.“ 

„Was fällt dir ein?“ antwortete die erste. „Ich bin viel älter als du und soll zurückgehen? Sei etwas höflicher! Du bist jünger, du musst nachgeben!“ 

Aber beide waren hartnäckig. Keine wollte zurückgehen, um die andere vorzulassen. Erst haben sie geredet, dann geschrien und schließlich geschimpft. Als das alles nichts nützte, fingen sie miteinander zu kämpfen an. Sie hielten ihren Kopf mit den Hörnern nach vorn und rannten zornig gegeneinander los. Mitten auf der Brücke prallten sie heftig zusammen. Durch den Stoß verloren beide das Gleichgewicht. Sie stürzten zusammen von der schmalen Brücke in den tiefen Fluß, und nur mit Mühe konnten sie sich an das Ufer retten. 

Ludwig Grimm (1790-1863)

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Die Katze und der Fuchs – eine Geschichte, Fabel, Volkserzählung

Katze und der Fuchs - Volkserzählung
 

Eine Katze begegnete im Wald dem Herrn Fuchs, und weil sie dachte: „Er ist so klug und welterfahren, und andere halten so viel von ihm“, so sprach sie freundlich zu ihm: „Guten Tag, lieber Herr Fuchs, wie geht es Ihnen? Wie kommt Ihr zurecht in dieser schweren Zeit?“  

Der Fuchs betrachtete die Katze voller Hochmut vom Kopf bis zu den Füßen. Er wusste lange nicht, ob er eine Antwort geben sollte. Endlich sprach er: „O Du armseliger Bartputzer, Du bunter Narr, Du Hungerleider und Mäusejäger, was denkst Du Dir eigentlich? Du unterstehst Dich zu fragen, wie es mir geht? Was hast Du gelernt? Wie viele Künste verstehst Du?“  

„Ich verstehe nur eine einzige“, antwortete bescheiden die Katze. „Was ist das für eine Kunst?“ fragte der Fuchs. „Wenn die Hunde hinter mir her sind, so kann ich auf einen Baum springen und mich retten.“ „Ist das alles?“ sagte der Fuchs. „Ich bin Herr über hundert Künste und habe außerdem noch einen ganzen Sack voller Listen. Du tust mir leid, komm mit mir; ich will Dich lehren, wie man Hunden entgeht.“  

Als er noch so sprach, da kam ein Jäger mit vier Hunden daher. Die Katze sprang geschickt auf einen Baum und setzte sich in den Wipfel, wo man sie vor lauter Ästen und Blättern nicht sehen konnte. „Bindet den Sack auf, Herr Fuchs, bindet den Sack auf!“ rief ihm die Katze zu, aber die Hunde hatten ihn schon gepackt und hielten ihn fest. „Ei, Herr Fuchs“, rief die Katze, „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet Ihr heraufspringen können wie ich, so wäre es nicht um Euer Leben geschehen.“  

Deutsche Volkserzählung

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Der Rabe und der Fuchs – eine kurze Geschichte – Fabel – über List und Gier

Eine kurze Fabel von Äsop: Der Rabe und der Fuchs
 

Ein Rabe hatte einen Käse gestohlen. Er flog damit auf einen Baum und wollte seine Beute dort oben in Ruhe verzehren.

Da es aber die Art der Raben ist, beim Essen nicht schweigen zu können, hörte ein vorbeikommender Fuchs den Raben über dem Käse krächzen.

Er lief eilig hinzu und begann den Raben zu loben: „O Rabe, was bist du für ein wunderbarer Vogel! Wenn dein Gesang ebenso schön ist wie dein Gefieder, dann sollte man dich zum König aller Vögel machen!“

Dem Raben gefielen diese Schmeicheleien so gut, dass er seinen Schnabel weit aufsperrte, um dem Fuchs etwas vorzusingen.

Dabei fiel ihm natürlich der Käse aus dem Schnabel.

Den aber schnappte sich eilig der Fuchs, fraß ihn genüsslich auf und lachte über den törichten Raben.

Äsop

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Das Pferd und der Esel – Eine Fabel, die zum Nachdenken anregt

Das Pferd und der Esel - kurze Fabel

 

Das ist nicht mein Problem 

Ein Kaufmann hatte schwere Lasten zu transportieren. Er teilte sie auf und belud damit je zur Hälfte sein Pferd und seinen Esel. Es war ein sehr heißer Tag und bald begann der Esel unter den ihm aufgeladenen Gewichten zu stöhnen: „Du bist viel stärker als ich“, sagte er deshalb zu dem Pferd. „Nimm mir bitte etwas meiner Last ab, sonst schaffe ich den Weg nicht mehr weiter.“ 

„Das ist nicht mein Problem“, antwortete das Pferd herablassend. „Mehr als ich jetzt trage, bin ich nicht bereit zu übernehmen.“ Kurze Zeit später brach der Esel zusammen und starb. Der Kaufmann wusste nichts anderes zu tun, als die ganze Last, die der Esel getragen hatte, zusätzlich seinem Pferd aufzubürden. Um noch einen Vorteil von dem verstorbenen Esel zu haben, zog er ihm das Fell ab und lud es ebenfalls noch auf den Rücken des Pferdes. Das war nun für den Rest des Weges bis an die Grenzen seiner Kraft beladen. Zu spät erkannte es, dass es klüger gewesen wäre, dem Esel einen kleinen Teil seiner Bürde abzunehmen. 

 

Äsop

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