Das alte Haus | Friedrich Hebbel

Novellen - Kurzgeschichten - BĂŒcher - Daniela Noitz

Das alte Haus

Der Maurer schreitet frisch heraus,
Er soll dich niederbrechen;
Da ist es mir, du altes Haus,
Als hörte ich dich sprechen:
„Wie magst du mich, das lange Jahr’
Der Lieb’ und Eintracht Tempel war,
Wie magst du mich zerstören?
„Dein Ahnherr hat mich einst erbaut
Und unter frommem Beten
Mit seiner schönen, stillen Braut
Mich dann zu erst betreten.
Ich weiß um alles wohl Bescheid,
um jede Luft, um jedes Leid,
Was ihnen widerfahren.
„Dein Vater ward geboren hier
In der gebrÀunten Stube,
Die ersten Blicke gab er mir,
Der muntre, krĂ€ft’ge Bube.
Er schaute auf die Englein,
Die gaukeln in der Fenster Schein,
Dann erst auf seine Mutter.
„Und als er traurig schlich am Stab
Nach manchen schönen Jahren,
Da hat er schon, wie still ein Grab,
In meinem Schoß erfahren;
In jener Ecke saß er da,
Und stumm und hÀndefaltend sah
Er sehnlich auf zum Himmel.
„Du selbst – doch nein, das sag’ ich nicht,
Ich will von dir nicht sprechen,
Hat dieses alles kein Gewicht,
So lass nur immer brechen.
Das GlĂŒck zog mit dem Ahnherrn ein,
Zerstöre du den Tempel sein,
Damit es endlich weiche! „Noch lange Jahre kann ich stehn,
Bin fest genug gegrĂŒndet,
Und ob sich mit der StĂŒrme Wehn
Ein Wolkenbruch verbĂŒndet,
KĂŒhn rag’ ich wie ein Fels empor,
Und was ich auch an Schmuck verlor,
Gewann ich’s nicht an WĂŒrde?
„Und hab’ ich denn nicht manchen Saal
Und manch gerÀumig Zimmer?
Und glÀnzt nicht festlich mein Portal
In alter Pracht noch immer?
Noch jedem hat’s in mir behagt,
Kein GlĂŒcklicher hat sich beklagt,
Ich sein zu klein gewesen.
„Und wenn es einst zum letzten geht,
Und wenn das warme Leben
In meinen Adern stillesteht,
Wird dies dich nicht erheben,
Dort wo dein Vater sterbend lag,
Wo deiner Mutter Auge brach,
Den letzten Kampf zu streiten?“
Nun schweigt es still das alte Haus;
Mir aber ist’s, als schritten
Die toten VĂ€ter all heraus,
Um fĂŒr ihr Haus zu bitten,
Und auch in meiner eigenen Brust,
Wie ruft so manche Kinderlust:
Lass stehn das Haus, lass stehen!
Indessen ist der Mauermann
Schon ins GebÀlk gestiegen,
Er fÀngt mit Macht zu brechen an,
Und Stein’ und Ziegel fliegen.
Still, lieber Meister, geh von hier,
Gern zahle ich den Taglohn dir;
Allein das Haus bleibt stehen.

Friedrich Hebbel 

Mut zur Selbstverantwortung: Werden Sie zum Gestalter Ihres Lebens!

Nehmen Sie Ihr Leben in die Hand und gestalten Sie es selbst! Mit "Mut zur Selbstverantwortung" lernen Sie, Verantwortung zu ĂŒbernehmen, Ihre Gedanken zu kontrollieren und selbstbestimmt zu handeln. Praktische Übungen helfen Ihnen dabei, negative Muster loszulassen und sich weiterzuentwickeln. Werden Sie zum Gestalter Ihres Lebens und finden Sie ErfĂŒllung und GlĂŒck!

Banner fĂŒr das Autorenprofil von Franziska Franzi auf Amazon. Hintergrund ist grau und dunkel gefĂ€rbt, in der Mitte ist das Pseudonym Foto und der Name Franziska Franzi

Kommentar verfassen

Nach oben scrollen
Anwendungsbeispiele fĂŒr alepeo aleppo duschseife orange.