Johann Wolfgang von Goethe | Erlkönig

Novellen - Kurzgeschichten - BĂŒcher - Daniela Noitz
Erlkönig - Johann Wolfgang von Goethe

Erlkönig

1.Wer reitet so spÀt durch Nacht und Wind? 
Es ist der Vater mit seinem Kind. 
Er hat den Knaben wohl in dem Arm, 
Er fasst ihn sicher, er hÀlt ihn warm. 
 
 
2. Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? 
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht! 
Den Erlenkönig mit Kron‘ und Schweif? 
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. 
 
3. Du liebes Kind, komm geh‘ mit mir! 
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir, 
Manch bunte Blumen sind an dem Strand, 
Meine Mutter hat manch gĂŒlden Gewand. 
 
4. Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht, 
Was Erlenkönig mir leise verspricht? 
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind, 
In dĂŒrren BlĂ€ttern sĂ€uselt der Wind. 
 
5. Willst feiner Knabe du mit mir geh’n? 
Meine Töchter sollen dich warten schön, 
Meine Töchter fĂŒhren den nĂ€chtlichen Reihn 
Und wiegen und tanzen und singen dich ein. 
 
6. Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort 
Erlkönigs Töchter am dĂŒsteren Ort? 
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh‘ es genau: 
Es scheinen die alten Weiden so grau. 
 
7. Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt, 
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt! 
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an, 
Erlkönig hat mir ein Leids getan. 
 
8. Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind, 
Er hÀlt in den Armen das Àchzende Kind, 
Erreicht den Hof mit MĂŒhe und Not, 
In seinen Armen das Kind war tot. 
 
 

Goethe stammte aus einer angesehenen bĂŒrgerlichen Familie. Er war deutscher Dichter und Naturforscher.
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