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BeitrĂ€ge veröffentlicht in “Hochzeit”

Der Ort, an dem der Himmel die Erde kĂŒsst

Der Ort, an dem der Himmel die Erde berĂŒhrt

Geschichten zur Hochzeit 

Eine alte Legende erzĂ€hlt, dass es da zwei Menschen gab, die ĂŒberaus glĂŒcklich miteinander lebten. Sie waren zufrieden, mit dem was sie hatten und miteinander teilten. Ihre Liebe wuchs durch die Jahre ihres Zusammenlebens. Nichts und niemand konnte diese Liebe zerstören. Eines Tages lasen sie in einem alten Buch, dass es da irgendwo, in weiter Ferne, vielleicht am Ende der Welt, einen Ort gĂ€be, wo unermessliches GlĂŒck herrsche. Ein Ort sollte dies sein, so sagte das alte Buch, an dem der Himmel die Erde kĂŒsst. Die beiden beschlossen, diesen Ort zu suchen. Der Weg war lang und voller Entbehrungen. 

Bald wussten sie nicht mehr, wie lange sie schon unterwegs waren; doch aufgeben wollten sie nicht. Fast am Ende ihrer Kraft, erreichten sie eine TĂŒr, wie sie im Buch beschrieben war. Hinter dieser TĂŒr sollte es sich befinden: Das große GlĂŒck, das Ziel ihres Hoffens und Suchens. Welch eine Spannung war in ihnen – wie wird er aussehen, der Ort, an dem der Himmel die Erde kĂŒsst, der Ort, an dem ein solches GlĂŒck herrscht. Sie klopften an. Die TĂŒr öffnete sich. Sie fassten sich an der Hand und traten ein. Da standen sie nun – wieder mitten in ihrer Wohnung. Am Ende dieses langen Weges waren sie wieder bei sich Zuhause angekommen. Und sie verstanden: Der Ort, an dem der Himmel die Erde kĂŒsst, ist der Ort, an dem die Menschen sich kĂŒssen. Der Ort, an dem der Himmel die Erde berĂŒhrt, ist der Ort, an dem die Menschen sich berĂŒhren. Der Ort, an dem der Himmel sich öffnet, ist der Ort, an dem Menschen sich fĂŒreinander öffnen. Der Ort des großen GlĂŒcks ist der Ort, an dem Menschen sich glĂŒcklich machen. 

 

Verfasser unbekannt

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Chinesische Hochzeit

Geschichte zur chinesischen Hochzeit - Parabel

 

Geschichte zur Hochzeit 

Die Brautleute hatten nicht viel Geld, aber dennoch waren sie der Meinung, dass viele Menschen mitfeiern sollten. Geteilte Freude ist doppelte Freude, dachten sie. Es sollte ein großes Fest werden, beschlossen sie, mit vielen GĂ€sten. Denn warum sollte unsere Freude nicht ansteckend sein? – fragten sie sich. Es herrscht unter den Menschen ohnehin mehr Leid als Freude. Also baten sie die Eingeladenen, je eine Flasche Wein mitzubringen. Am Eingang wĂŒrde ein großes Fass stehen, in das sie ihren Wein gießen könnten; und so sollte jeder die Gabe des anderen trinken und jeder mit jedem froh und ausgelassen sein. 

Als nun das Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zu dem großen Fass und schöpften daraus. Doch wie groß war das Erschrecken aller, als sie merkten, dass es Wasser war. Versteinert saßen oder standen sie da, als ihnen allen bewusst wurde, dass eben jeder gedacht hatte: Die eine Flasche Wasser, die ich hineingieße, wird niemand merken oder schmecken. 

Nun aber wussten sie, dass jeder so gedacht hatte. Jeder von ihnen hatte gedacht: Heute will ich mal auf Kosten anderer feiern. Unruhe, Unsicherheit und Scham erfasste alle, nicht nur, weil es lediglich Wasser zu trinken gab. Und als um Mitternacht das Flötenspiel verstummte, gingen alle schweigend nach Hause, und jeder wusste: Das Fest hatte nicht stattgefunden. 

 

Chinesische Parabel  

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Wilhelm Busch | GrĂŒnde fĂŒrs Heiraten | Liebe

Gedicht - Warum heiratet man - Wilhelm Busch

Warum heiratet man

Der eine tuts um die Dukaten,
der zweite um ein hĂŒbsch Gesicht,
der dritte darf nicht lÀnger warten,
der vierte, weil Mama so spricht.
Der fĂŒnfte will sich einmal setzen,
der sechste ist nicht gern allein,
der siebte hofft, sich zu ergötzen,
der achte möcht auch einmal frein,
beim neunten sind es Mitleidstriebe,
doch ihr – ihr heiratet sicher
nur aus Liebe. 
 

Heinrich Christian Wilhelm Busch wurde am 14. April 1832 in Wiedensahl geboren. Er starb im Alter von 75 Jahren am 9. Januar 1908 in Mechtshausen. Busch war einer der einflussreichsten, humoristischen Dichter und Zeichner Deutschlands. Er war der Àlteste in der Familie und hatte sechs Geschwister. Der Maler war sein ganzes Leben lang unverheiratet.

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Adele Schopenhauer | TrÀume | Leben | Seele

Lass mich versinken - ein Gedicht von Adele Schopenhauer

Lass mich versinken

Klar wie der Himmel
Ist Deine Seele,
Rein wie der Aether
Ist Dein GemĂŒth!
Reich wie die Erde
Ist meine Liebe,
Tausendgestaltig
Tritt sie ans Licht.
Töne und Bilder,
Innere Welten
Schafft Dir Dein Dichter,
Liebchen, zum Schmuck.
Blickt er ins Herz Dir,
Holt er die SchÀtze
Alle vervielfacht
Wieder herauf.
Laß mich versinken
In Deiner Augen,
In Deiner Wunder
Lieblichen Welt.
Wie Erd’ und Himmel
DĂŒfte vereinen,
Eint Lieb’ und Schönheit
Leben in uns!
Adele Schopenhauer 

Wolf Dietrich | Liebe auf den ersten Blick | Liebesgedicht

Liebe auf den ersten Blick - ein Liebesgedicht von Wolf Dietrich

Liebe auf den ersten Blick

Erst dies kleine LĂ€cheln, dann ein langer Blick,
ich schaute dich an, du schautest zurĂŒck,
ich kam auf dich zu wie vom Faden gezogen,
bin dann aber doch noch schnell abgebogen.
Es gab kein Entrinnen, es war vorbestimmt,
dass wir uns danach wieder begegnet sind.
Und beide wussten wir, es gab kein ZurĂŒck:
Bei uns war es Liebe auf den allerersten Blick!

Wolf Dietrich

Rainer Maria Rilke | Liebesgedicht | Ich liebe dich | Wie ich dich liebe

Liebesgedicht von Rainer Maria Rilke - Wie ich dich liebe

Wie ich dich liebe?

Wie ich dich liebe? Laß mich zĂ€hlen wie.
Ich liebe dich so tief, so hoch, so weit,
als meine Seele blindlings reicht, wenn sie
ihr Dasein abfĂŒhlt und die Ewigkeit.

Ich liebe dich bis zu dem stillsten Stand,
den jeder Tag erreicht im Lampenschein
oder in Sonne. Frei, im Recht, und rein
wie jene, die vom Ruhm sich abgewandt.

Mit aller Leidenschaft der Leidenszeit
und mit der Kindheit Kraft, die fort war, seit
ich meine Heiligen nicht mehr geliebt.

Mit allem LÀcheln, aller TrÀnennot
und allem Atem. Und wenn Gott es giebt,
will ich dich besser lieben nach dem Tod.

Rainer Maria Rilke